Was E-Control am 29. Oktober vorgelegt hat

Die Regulierungskommission der E-Control hat am 29. Oktober 2026 die Netzentgelte ab Jänner 2027 in Begutachtung geschickt; sie läuft bis 20. November, die Zahlen sind also noch vorläufig. Für Haushalte auf Netzebene 7 ohne Leistungsmessung sinken die Netzentgelte laut Entwurf im Österreich-Schnitt um 3,6 Prozent, bei 3.500 kWh im Jahr rund 15 Euro. Nach der neuen Systematik mit Leistungspreis wären es für einen durchschnittlichen Haushalt 5,7 Prozent oder rund 24 Euro.

Je nach Netzbereich unterscheidet sich das deutlich. Nach alter Systematik sinken die Entgelte etwa in Niederösterreich um 12 Prozent und in Wien um 4,8 Prozent; in Kärnten steigen sie um 9,6 Prozent, in Innsbruck, Graz, Linz, Oberösterreich und Tirol ebenfalls leicht. E-Control hat Tarife für beide Systeme veröffentlicht. Die neue Systematik gilt in einem Netzbereich erst, wenn der Netzbetreiber umgestellt hat.

Netzentgelte 2027 für Haushalte nach alter Systematik, Netzebene 7, 3.500 kWh im Jahr: Netzentgelt in Cent je kWh netto, Änderung zum Vorjahr in Euro brutto und in Prozent (E-Control-Entwurf vom 29. Oktober 2026)
Netzbereichct/kWhEuro%
Österreich-Durchschnitt9,74−15,12−3,6
Kleinwalsertal19,39−46,66−5,4
Kärnten13,60+50,15+9,6
Innsbruck11,31+19,32+4,2
Steiermark11,01−21,42−4,4
Burgenland10,81−0,84−0,2
Niederösterreich10,16−57,92−12,0
Wien9,56−20,24−4,8
Tirol9,56+3,82+1,0
Oberösterreich9,36+7,60+2,0
Salzburg9,28−1,39−0,4
Klagenfurt9,27−23,98−5,8
Linz8,66+9,95+2,8
Graz8,47+11,72+3,4
Vorarlberg7,06−27,64−8,5

Quellen: [1], [2]

Der Leistungspreis: Die höchste Viertelstunde im Monat zählt

Bisher entfielen bei Haushalten laut E-Control rund 90 Prozent der Netzkosten auf den Arbeitspreis je Kilowattstunde und rund 10 Prozent auf eine Pauschale. Künftig soll die bezogene Leistung stufenweise wichtiger werden, bis Arbeits- und Leistungspreis innerhalb von drei Jahren im Verhältnis 50 zu 50 stehen. Maßgeblich ist der höchste 15-Minuten-Wert eines Monats, den der Smart Meter misst. Kurze Spitzen beim Einschalten eines Geräts zählen nicht automatisch, abgerechnet wird der Mittelwert der Viertelstunde.

Wann der Leistungspreis kommt, entscheidet jeder Netzbetreiber für seinen Bereich, zwischen 1. Jänner 2027 und spätestens 1. Juli 2028. Laut ORF planen die meisten die Umstellung erst 2028. Für den Netzanschluss bekommen zunächst alle Kund:innen 10 kW netzwirksame Leistung zugeordnet. Wer 2026 höhere Spitzen hatte, muss dafür laut E-Control nicht nachzahlen.

Quellen: [3], [2]

Was das fürs E-Auto heißt

E-Control nennt das E-Auto ausdrücklich: Die erwartete Entlastung der Netze gelingt nur, wenn E-Autos und Speicher nicht gleichzeitig mit voller Leistung laden, sondern über mehrere Stunden verteilt. Vorstand Michael Strebl rät etwa, Infrarotsauna und E-Auto nacheinander statt gleichzeitig zu betreiben. Laut ORF und APA zahlt nach der Umstellung mehr, wer das E-Auto mit 11 statt 4 kW lädt; mit der neuen Systematik und 4 kW Leistung sinkt der Netztarif etwa in Niederösterreich um 15,9 Prozent, in Graz steigt er um 5,7 Prozent.

Eigene Rechnung: Braucht dein Auto 10 kWh pro Tag, lädt es mit 4 kW in zweieinhalb Stunden, mit 11 kW in knapp einer Stunde. Über Nacht ist meist genug Zeit, deshalb kostet eine niedrigere Ladeleistung im Alltag wenig Komfort (unsere Einordnung). Viele Wallboxen lassen sich in App oder Konfiguration auf einen niedrigeren Strom begrenzen.

Zusätzlich gibt es die flexible Entnahme: Wer dem Netzbetreiber erlaubt, den Bezug bei Bedarf höchstens zweimal zwei Stunden pro Tag zu begrenzen, zahlt für diese flexible Leistung laut E-Control voraussichtlich nur 25 Prozent des regulären Leistungspreises. Für Haushalte ist das auf Wunsch umzusetzen, die Laufzeit ist für zehn Jahre garantiert. Was Laden zuhause sonst kostet, rechnet „Ladekosten in Österreich planen: vom Mehrparteienhaus bis zum Schnelllader“ vor.

  1. In der Tabelle deinen Netzbereich suchen und beim Netzbetreiber fragen, wann er auf den Leistungspreis umstellt.
  2. Die Ladeleistung der Wallbox prüfen und, wo der Alltag es zulässt, begrenzen.
  3. Große Verbraucher wie Sauna, Durchlauferhitzer oder Wärmepumpe nicht gleichzeitig mit dem Laden laufen lassen.
  4. Ein Angebot zur flexiblen Entnahme prüfen, sobald dein Netzbetreiber es anbietet.
  5. Die endgültigen Tarife nach Ende der Begutachtung am 20. November abwarten; die Zahlen sind noch ein Entwurf.

Quellen: [3], [4], [1]

Quellen & weiterführende Informationen

  1. E-Control: Presseinformation, E-Control Regulierungskommission gibt neue Tarife für die Stromnetze ab 2027 in Begutachtung (29. Oktober 2026, PDF mit Tabelle) ↗
  2. E-Control: Begutachtungsentwurf Systemnutzungstarife-Verordnung 2027 (Begutachtung bis 20. November 2026) ↗
  3. E-Control: Presseunterlage zur Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (12. Oktober 2026, PDF) ↗
  4. ORF.at (APA): Netzentgelte für Strom sinken 2027 im Großteil des Landes (29. Oktober 2026) ↗

Dieser Bericht bildet die genannten Veröffentlichungen zum Publikationszeitpunkt ab; spätere Entwicklungen können den Stand verändern.

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