Kurz beantwortet: Was Rekuperation bringt

Nimmst du im E-Auto den Fuß vom Gas oder bremst, arbeitet der Elektromotor als Generator und lädt den Akku. Das nennt man Rekuperation. Wie viel sie bringt, hat das Verbraucherprogramm Green NCAP an 19 E-Autos gemessen; der ÖAMTC hat die Werte 2024 zusammen mit eigenen Prüfstandsmessungen veröffentlicht. Im Schnitt holten die Autos rund 20 Prozent der Energie zurück, die sie vorher zum Fahren gebraucht hatten. Am meisten war es mit etwa 30 Prozent beim NIO ET7 und beim Hyundai IONIQ 6, am wenigsten mit knapp 10 Prozent beim Dacia Spring.

Am meisten bringt Rekuperation innerorts, wo du oft verzögerst: Dort holte laut ÖAMTC selbst das schwächste Auto noch 15 Prozent zurück. Auf der Autobahn sind es im Schnitt nur rund 10 Prozent, weil du seltener bremst. Bergab kann es deutlich mehr sein. In einer Prüfstandsfahrt nach dem Profil des Kesselbergs holten drei Testautos 35 bis 50 Prozent der Energie zurück, die sie bergauf gebraucht hatten.

Unsere Einordnung: Rekuperation ist keine Gratisenergie. Beim Umwandeln von Bewegung in Strom und zurück geht immer etwas verloren. Am sparsamsten fährst du deshalb, wenn du so vorausschauend fährst, dass du gar nicht erst stark verzögern musst; der ÖAMTC rät ebenfalls zu vorausschauendem Fahren.

Quellen: [1], [2]

Green NCAP: 19 E-Autos im Vergleich

Die Tabelle zeigt, welchen Anteil der eingesetzten Energie die Autos im Green-NCAP-Test zurückgewonnen haben, dazu die höchste gemessene Rekuperationsleistung und das Testgewicht. Laut ÖAMTC gewinnen schwere und stark motorisierte Autos mehr zurück, weil mehr Masse in Bewegung ist und ein starker Motor mehr Strom erzeugen kann. Das Gewicht ist trotzdem kein Vorteil: Der ÖAMTC betont, dass der Mehrverbrauch beim Beschleunigen schwerer Autos die Rekuperation überwiegt.

Die Werte gelten für die getesteten Varianten. Green NCAP hat nur eine Stichprobe des Markts geprüft, ein Testdatum nennt die ÖAMTC-Seite nicht.

Rekuperation im Green-NCAP-Test, veröffentlicht vom ÖAMTC 2024: Anteil der zurückgewonnenen Energie, Spitzenleistung der Rekuperation und Testgewicht
ModellAnteilSpitzeGewicht
NIO ET7 100 kWh31 %53,9 kW2.576 kg
Hyundai IONIQ 6 77,4 kWh29 %60,7 kW2.229 kg
VW ID.526 %52,7 kW2.290 kg
BMW i4 eDrive3524 %63,4 kW2.252 kg
Tesla Model S24 %65,7 kW2.257 kg
XPeng G9 Long Range24 %41,4 kW2.234 kg
Audi Q4 e-tron 5023 %52,1 kW2.390 kg
Tesla Model 3 (2023)23 %43,9 kW1.915 kg
Hyundai IONIQ 5 58 kWh22 %41,4 kW2.024 kg
MG4 Comfort22 %41,6 kW1.837 kg
Renault Mégane E-Tech22 %37,7 kW1.837 kg
BYD Atto 321 %38,1 kW1.987 kg
Nissan Ariya 87 kWh 2WD21 %30,0 kW2.225 kg
Smart #321 %37,6 kW1.933 kg
Renault Kangoo E-Tech20 %38,5 kW2.015 kg
MG5 Maximum Range19 %33,5 kW1.725 kg
Ora Funky Cat18 %41,4 kW1.724 kg
Cupra Born 58 kWh16 %35,7 kW1.972 kg
Dacia Spring9 %10,4 kW1.107 kg

Quellen: [1]

Bergab: Was die Kesselberg-Messung zeigt

Für die zweite Messung haben ÖAMTC und ADAC eine echte Fahrt über den Kesselberg in Bayern nahe der österreichischen Grenze aufgezeichnet und auf einem Rollenprüfstand nachgefahren: je rund 5,5 Kilometer bergauf und bergab mit Steigungen bis 10 Prozent. Bergab zeigten alle drei Autos einen negativen Verbrauch, sie luden also den Akku. Ein Testsieger wurde nicht ermittelt; die Autos stehen laut ÖAMTC stellvertretend für ihre Gewichtsklasse.

Die Verbrauchswerte enthalten keine Ladeverluste. Was dir die Höhenmeter auf einer Bergtour kosten und was du bei langen Abfahrten beachten solltest, steht in „Mit dem E-Auto in den Skiurlaub 2026/27: Reichweite, Dachbox, Laden und Vignette“.

Prüfstandsfahrt nach dem Profil des Kesselbergs (ÖAMTC/ADAC, 2024), Verbrauch ohne Ladeverluste
WertDacia SpringTesla Model YBMW i7
Leergewicht1.180 kg2.186 kg2.830 kg
Maximale Motorleistung33 kW378 kW400 kW
Verbrauch bergauf26,35 kWh/100 km48,74 kWh/100 km59,34 kWh/100 km
Verbrauch bergab−7,05 kWh/100 km−17,6 kWh/100 km−26,27 kWh/100 km
Verbrauch gesamt9,47 kWh/100 km15,22 kWh/100 km16,09 kWh/100 km
Zurückgeholte Energieca. 35 %ca. 40 %ca. 50 %

Quellen: [1]

Stufen, Schaltwippen und One-Pedal-Fahren

Bei fast allen E-Autos kannst du die Stärke der Rekuperation laut ÖAMTC in mindestens zwei Stufen einstellen, meist über Schaltwippen hinter dem Lenkrad. Der Club empfiehlt diese Bedienung, weil du dafür weder die Hände vom Lenkrad noch den Blick von der Straße nehmen musst.

Ein Beispiel aus den Kia-Handbüchern: Mit der linken Wippe erhöhst du die Rekuperation, je nach Fahrmodus von Stufe 0 bis 3, im Schneemodus nur bis 1. Ziehst du die linke Wippe länger als etwa eine Sekunde, schaltest du das i-Pedal ein. Dann steuerst du laut Kia die Geschwindigkeit mit dem Fahrpedal, ohne die Wippen zu betätigen; beim Loslassen bremst das Auto über den Motor. Eine automatische Variante passt die Stufe an den Abstand zum Vorderfahrzeug an; Kia weist darauf hin, dass sie Fahrzeuge in Kurven, auf Steigungen oder beim Spurwechsel nicht immer richtig erkennt.

One-Pedal-Fahren ersetzt die Bremse nicht. Polestar schreibt, dass die Bremskraft beim Loslassen des Fahrpedals begrenzt ist und du für stärkeres Bremsen das Bremspedal treten musst. Kia warnt, dass das Auto je nach Straße nicht von selbst anhält, dass du bei einer Notbremsung das Bremspedal brauchst und das i-Pedal auf rutschigem Untergrund nicht nutzen sollst.

Quellen: [1], [3], [4], [5], [7]

Wann weniger zurückkommt: Ladezustand, Kälte, Glätte

Kia schreibt, dass die Rekuperation vorübergehend begrenzt sein kann, wenn die Temperatur der Hochvoltbatterie oder der Ladezustand das nicht zulassen. Ist der Akku zu 100 Prozent geladen, lässt sich die Stufe laut Kia-Handbuch auch nicht mit der Wippe ändern. Polestar weist darauf hin, dass rutschige oder vereiste Straßen die Rekuperation verringern können.

Für dich heißt das: Nach dem Laden auf 100 Prozent und an kalten Morgen bremst das Auto beim Loslassen des Fahrpedals womöglich schwächer als gewohnt. Rechne damit und nutze das Bremspedal. Unsere Einordnung: Liegt direkt nach dem Laden eine lange Abfahrt vor dir, lade nicht ganz voll, damit der Akku die Energie aufnehmen kann.

Quellen: [3], [4], [6]

Bremsen trotzdem regelmäßig benutzen

Weil E-Autos viel über den Motor verzögern, arbeiten die Scheibenbremsen seltener. Polestar empfiehlt deshalb, regelmäßig kräftig mit der normalen Bremse zu bremsen, damit Rost und Schmutz auf den Bremsscheiben keine Probleme machen. Der ÖAMTC formuliert es so: so viel Energierückgewinnung wie möglich und so viel mechanische Bremse wie nötig, um Korrosion vorzubeugen. Was das für Wartung und Kosten bedeutet, steht in „Wartung beim Elektroauto 2026: Inspektion, Kosten und was wirklich verschleißt“.

  1. Innerorts eine starke Rekuperationsstufe oder One-Pedal-Fahren nutzen, dort bringt es am meisten.
  2. Auf der Autobahn vorausschauend fahren und rollen lassen, statt ständig stark zu verzögern.
  3. Nach dem Vollladen, bei Kälte und auf Glätte mit schwächerer Rekuperation rechnen und rechtzeitig das Bremspedal treten.
  4. Vor langen Abfahrten nicht auf 100 Prozent laden.
  5. Regelmäßig kräftig mit der Bremse bremsen, wenn der Verkehr es zulässt, damit die Scheiben nicht rosten.
  6. Beim Autokauf auf die Einstellmöglichkeiten achten, etwa Schaltwippen und mehrere Stufen, wie es der ÖAMTC empfiehlt.

Quellen: [1], [6]

Quellen & weiterführende Informationen

  1. ÖAMTC: Studie zeigt Effizienzpotenzial durch Rekuperation auf, mit Prüfstandsmessung und Green-NCAP-Ergebnissen (2024) ↗
  2. ÖAMTC Presse: ÖAMTC-Studie zeigt Effizienzpotenzial durch Rekuperation auf (3. April 2024) ↗
  3. Kia Betriebsanleitung Elektrofahrzeug, Modellcode SW1K (2026): i-Pedal ↗
  4. Kia Betriebsanleitung Elektrofahrzeug, Modellcode SV1 (Modelljahr 2025): Einstellen des regenerativen Bremssystems mit der Schaltwippe ↗
  5. Polestar 4 Betriebsanleitung (2026): One-Pedal-Driving ↗
  6. Polestar 2 Owner's Manual (2025, Vereinigtes Königreich): Regenerative braking ↗
  7. Kia Betriebsanleitung Elektrofahrzeug, Modellcode SV1 (Modelljahr 2025): Einschränkungen des Systems für die intelligente Energierückgewinnung ↗

Prüfe aktuelle Bedingungen und Details vor deiner Entscheidung bei den verlinkten Quellen.

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