Kurz beantwortet: Was die Fahrt in die Berge anders macht
Mit dem E-Auto in den Skiurlaub zu fahren klappt gut, wenn du drei Dinge einplanst: mehr Verbrauch, längere Ladestopps und die Regeln in Österreich. Kälte und viel Gepäck können die Reichweite laut ÖAMTC um bis zu ein Drittel senken. Eine Dachbox kostete im ADAC-Test bei Tempo 120 rund 14 Prozent mehr Strom. Und auf den Autobahnen nach Tirol und Salzburg gibt es Tempo-100-Abschnitte nach dem österreichischen Luftreinhaltegesetz IG-L. Deren Ausnahme für E-Autos kann ein in Deutschland zugelassenes Auto nach unserer Lesart nicht nutzen.
Für die Fahrt heißt das: vor der Abfahrt voll laden, Ladestopps mit Puffer planen, den Akku vor dem Schnellladen vorwärmen und am Urlaubsort klären, wo das Auto über Nacht laden kann. Die digitale Vignette kaufst du am besten früh, denn Jahres- und 2-Monats-Vignetten gelten online gekauft erst ab dem 18. Tag. Was der Winter allgemein mit der Reichweite macht, steht in „E-Auto im Winter: Wie viel Reichweite du verlierst und was wirklich hilft“. Dieser Ratgeber konzentriert sich auf die Fahrt in die Alpen, vor allem nach Österreich.
Reichweite: Kälte, Dachbox und Höhenmeter
Der ÖAMTC rät, vor Hin- und Rückfahrt voll zu laden. Viele E-Autos laden ab Werk nur bis 80 Prozent; diese Grenze solltest du vorher prüfen und für die Reise hochsetzen. Kälte und zusätzliches Gepäck können die Reichweite laut ÖAMTC zusammen um bis zu ein Drittel verringern.
Was auf dem Dach mitfährt, kostet vor allem Luftwiderstand. In einem im August 2022 veröffentlichten Test hat der ADAC das mit einem Kia EV6 bei durchschnittlich 120 km/h gemessen: Eine Dachbox brauchte 14 Prozent mehr Strom, ein Fahrradträger am Heck rund 8 Prozent, zwei Fahrräder auf dem Dach 25 Prozent und ein Dachzelt 33 Prozent. Gewicht wirkte dagegen schwach: Mit 280 Kilogramm Zuladung lag der Verbrauch in einem Parcours aus Stadt, Land und Autobahn nur 6 Prozent höher. Der Luftwiderstand steigt laut ADAC mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Die Werte gelten für dieses eine Auto, die Größenordnung lässt sich aber übertragen. Unsere Einordnung: Passen die Ski durch eine Durchlade in den Innenraum, sparst du dir die Box.
Dazu kommen die Höhenmeter. Eigene Rechnung: Um ein 2.200 Kilogramm schweres Auto samt Insassen und Gepäck 1.000 Meter anzuheben, braucht es 2.200 kg × 9,81 m/s² × 1.000 m = 21,6 Megajoule, also 6,0 kWh. Das ist der physikalische Mindestwert, Verluste im Antrieb kommen dazu. Bergab gewinnen E-Autos laut ADAC einen Teil davon durch Rekuperation zurück. Wie viel das je nach Auto ist, zeigt „Rekuperation beim E-Auto: Wie viel sie bringt und wie du sie richtig einstellst“. Ein ganz voller Akku kann aber keine Energie mehr aufnehmen. Wer oben im Skiort auf 100 Prozent lädt und direkt ins Tal fährt, verschenkt deshalb einen Teil der Bremsenergie (unsere Einordnung).
- Kälte und Gepäck (ÖAMTC)
- bis zu ein Drittel weniger Reichweite
- Dachbox (ADAC, Kia EV6, 120 km/h, 2022)
- +14 % Verbrauch
- Fahrradträger am Heck (ADAC)
- +8 %
- Zwei Fahrräder auf dem Dach (ADAC)
- +25 %
- 280 kg Zuladung (ADAC, gemischter Parcours)
- +6 %
- 1.000 Höhenmeter mit 2.200 kg (eigene Rechnung)
- mindestens 6,0 kWh
Laden unterwegs und am Urlaubsort
In der Ferienzeit ist an den Autobahn-Ladesäulen mehr los, warnt der ÖAMTC. Plane deshalb Ausweichstationen ein und lade lieber öfter kurz; laut ÖAMTC reichen oft schon zehn Minuten. Bei Kälte dauert das Laden länger. Nutze, wenn dein Auto es kann, die Vorkonditionierung, die den Akku vor dem Schnellladen aufwärmt. Weil Laden in der Kälte länger dauert, rät der ÖAMTC zu Tarifen, die nach Kilowattstunden abrechnen statt nach Zeit.
Die Ladetarife in Österreich vergleicht die Regulierungsbehörde E-Control auf ladetarif.at. Wie deutsche Ladekarten dort abrechnen, erklärt „E-Auto im Ausland laden 2026: Ladekarten, Preise und Bezahlen in Österreich, Italien & Co.“.
Am Urlaubsort hilft eine Garage, weil das Auto dort weniger auskühlt; der ÖAMTC rät außerdem, vorab zu klären, ob die Unterkunft oder ein öffentlicher Ladepunkt in der Nähe Strom anbietet. Bietet dir die Unterkunft nur eine Haushaltssteckdose an, frag nach, wie sie abgesichert ist. Der ADAC rät aus Sicherheitsgründen grundsätzlich vom Laden an der Haushaltssteckdose ab. Was ein Notladekabel können muss, erklärt „Mobiles Ladegerät fürs E-Auto 2026: Notladekabel, CEE-Lader, Anmeldung und Sicherheit“.
Österreich: Vignette, Streckenmaut und Tempo 100
Auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen brauchen alle Pkw bis 3,5 Tonnen eine Vignette, auch E-Autos. Die ASFINAG nennt für Pkw die Tarife 2026, gültig seit 1. Dezember 2025: 9,60 Euro für einen Tag, 12,80 Euro für zehn Tage, 32,00 Euro für zwei Monate und 106,80 Euro für ein Jahr. Ab dem Vignettenjahr 2027 gibt es nur noch die digitale Vignette, die an dein Kennzeichen gebunden ist. Online gekaufte Jahres- und 2-Monats-Vignetten gelten wegen des Rücktrittsrechts erst ab dem 18. Tag nach dem Kauf. Die 1- und 10-Tages-Vignette kann sofort gelten.
Was die Vignette 2027 kostet, stand am 6. November 2026 noch nicht auf der ASFINAG-Seite. Laut Verkehrsministerium, berichtet von VIENNA.AT am 23. Oktober 2026, soll die Jahresvignette ab 1. Jänner 2027 rund 109 Euro kosten. Wer sie bis Ende Dezember 2026 kauft, soll noch 106,80 Euro zahlen. Für die Kurzzeitvignetten 2027 haben wir keinen offiziellen Preis gefunden.
Ohne Vignette darfst du laut ASFINAG unter anderem auf der A 12 von der Grenze bei Kufstein bis Kufstein-Süd und auf der A 1 vom Walserberg bis Salzburg Nord fahren. Auf einigen Tunnel- und Passstrecken wie Brenner, Tauern, Arlberg oder Karawanken kommt laut ASFINAG eine eigene Streckenmaut dazu.
Auf der A 12 und A 13 in Tirol gilt dauerhaft Tempo 100 nach dem IG-L, auf der Tauernautobahn A 10 je nach Luftbelastung Tempo 100, auf der A 1 in Salzburg je nach Luftbelastung Tempo 80. Ausgenommen sind laut Umweltministerium nur reine Elektro- und Wasserstoffautos mit einer Kennzeichentafel mit grüner Schrift nach § 49 Abs. 4 Z 5 des österreichischen Kraftfahrgesetzes, und nur dort, wo Hinweisschilder das anzeigen. Ein deutsches E-Kennzeichen erfüllt diese Bedingung nach unserer Lesart nicht. Halte dich deshalb an das IG-L-Limit. Steht der Zusatz IG-L nicht an der Anzeige, gilt die Beschränkung ohnehin für alle.
- 1-Tages-Vignette Pkw (ASFINAG, Tarif 2026)
- 9,60 €, sofort gültig möglich
- 10-Tages-Vignette Pkw
- 12,80 €, sofort gültig möglich
- 2-Monats-Vignette Pkw
- 32,00 €, online erst ab dem 18. Tag
- Jahresvignette Pkw 2026
- 106,80 €, online erst ab dem 18. Tag
- Jahresvignette 2027
- rund 109 € ab 1.1.2027, bis 31.12.2026 noch 106,80 € (Verkehrsministerium laut VIENNA.AT)
- IG-L-Ausnahme für E-Autos
- nur mit österreichischer grüner Kennzeichentafel
Winterreifen und Schneeketten in Österreich
Österreich schreibt Winterausrüstung nach der Lage auf der Straße vor. Nach § 102 Abs. 8a KFG darf ein Pkw vom 1. November bis 15. April bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen wie Schnee, Schneematsch oder Eis nur mit Winterreifen an allen Rädern fahren. Ist die Fahrbahn durchgehend mit Schnee oder Eis bedeckt, reichen auch Schneeketten auf mindestens zwei Antriebsrädern. Die Pflicht trifft den Lenker; sie gilt nach unserer Lesart also auch für Autos mit deutschem Kennzeichen.
Ob Schneeketten auf dein Auto passen, hängt von Rad und Reifen ab. Viele E-Autos haben wenig Platz im Radkasten. Prüf deshalb vor der Reise im Handbuch, welche Rad-Reifen-Kombination Ketten erlaubt (unsere Einordnung). Was Tests zu Winterreifen für E-Autos zeigen, steht in „Winterreifen fürs Elektroauto 2026: Was Tests zeigen und worauf es bei E-Autos ankommt“.
Quellen: [8]
Checkliste vor der Abfahrt
Die Liste fasst die Hinweise von ÖAMTC, ADAC, ASFINAG und den österreichischen Behörden zusammen. Selbst gefahren oder gemessen haben wir die Strecke nicht.
- Ladegrenze für die Reise auf 100 Prozent stellen und vor der Abfahrt voll laden.
- Route mit Ladestopps, Ausweichstationen und Puffer planen; vor dem Schnellladen den Akku vorwärmen.
- Ski möglichst innen transportieren, eine Dachbox nur wenn nötig, und nach dem Urlaub wieder abnehmen.
- Digitale Vignette rechtzeitig kaufen: Jahres- und 2-Monats-Vignette gelten online gekauft erst ab dem 18. Tag.
- Tempo 100 nach IG-L in Tirol und Salzburg einhalten, die E-Auto-Ausnahme gilt nur mit österreichischer grüner Tafel.
- Winterreifen aufziehen und Schneeketten einpacken, die zur Rad-Reifen-Kombination passen.
- Am Urlaubsort Lademöglichkeit und Garage klären.
- Vor der Heimfahrt nicht ganz voll laden, wenn es zuerst lange bergab geht, damit die Rekuperation Energie zurückholen kann.
Quellen & weiterführende Informationen
- ÖAMTC: Mit dem Elektroauto in den Winterurlaub (2. Februar 2023) ↗
- ADAC: Test zur Reichweite, Elektroauto mit Fahrradträger oder Anhänger (9. August 2022) ↗
- ASFINAG: Die Vignette, Tarife 2026 und vignettenfreie Abschnitte (gelesen 6. November 2026) ↗
- ASFINAG: Digitale Vignette, Gültigkeit und Rücktrittsrecht (gelesen 6. November 2026) ↗
- ASFINAG: Infofolder Vignette und Streckenmaut 2026 (PDF, 18. November 2025) ↗
- VIENNA.AT: Autobahnvignette 2027, wer früh kauft, spart Geld (23. Oktober 2026) ↗
- BMLUK: Elektroautos, gesetzliche Ausnahme bei Geschwindigkeitsbegrenzungen nach IG-L, mit Streckenabschnitten (gelesen 6. November 2026) ↗
- RIS: Kraftfahrgesetz 1967, § 102 Pflichten des Kraftfahrzeuglenkers (Abs. 8a Winterausrüstung) ↗
- E-Control: ladetarif.at, der Lade-Tarifkalkulator ↗
- ADAC: Ladeverluste beim Elektroauto, so viel Strom geht beim Laden verloren (6. August 2026) ↗
Prüfe aktuelle Bedingungen und Details vor deiner Entscheidung bei den verlinkten Quellen.



