Die Nachricht: Der Ausschuss will lockern, Gesetz ist das noch nicht

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat am 4. November mit 48 Ja-Stimmen, 30 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen für neue CO₂-Ziele gestimmt. Neue Pkw sollen ab 2035 im Flottenschnitt nicht mehr 100 Prozent weniger ausstoßen als 2021, sondern 87,5 Prozent. Weitere 7,5 Prozentpunkte müssten Hersteller über Gutschriften für klimaarmen Stahl aus der EU ausgleichen, zusammen also 95 Prozent.

Das ist noch kein Gesetz. Es gilt weiter das 2023 beschlossene Recht: 55 Prozent weniger bis 2030 und 100 Prozent weniger ab 2035. Als Nächstes entscheidet das gesamte Parlament über sein Verhandlungsmandat, der vorläufige Termin ist der 14. Dezember.

Das sogenannte Verbrenner-Aus ist kein Fahrverbot. Die Regeln betreffen laut Parlament die Flottenwerte neuer Autos und Transporter. Dein vorhandener Benziner oder Diesel ist davon nicht erfasst (eigene Einordnung). Geprüft haben wir das am 5. November 2026.

Quellen: [1], [2], [3]

Wer was will: die vier Fassungen im Vergleich

Die Fassungen unterscheiden sich vor allem darin, wie viel am Auspuff ausgestoßen werden darf und ob der Rest ausgeglichen werden muss. Deutschland und Frankreich gehen dabei am weitesten bei der Frage des Ausgleichs: 90 Prozent, und die restlichen zehn Punkte müssten nicht kompensiert werden. Das Papier kennen wir nur aus Medienberichten.

Der Parlamentsberichterstatter Massimiliano Salini (EVP) sagt, Verbrenner ließen sich dann weiter ohne Ausgleichspflicht zulassen, das schütze die Technologiefreiheit. Die Umweltorganisation Transport & Environment hielt schon den Kommissionsvorschlag für zu schwach: Sie erwartet damit 2035 nur 85 Prozent reine E-Autos statt 100 Prozent, je nach Strategie der Hersteller 50 bis 95 Prozent. Zur Fassung des Ausschusses haben wir von ihr noch keine Zahl gelesen.

CO₂-Minderung neuer Fahrzeuge gegenüber 2021. Geltendes Recht und Kommission laut Briefing des Parlaments, Ausschuss laut Pressemitteilung, Deutschland und Frankreich laut ZDF und electrive
RegelGeltendes RechtKommission (Dez. 2025)Deutschland und Frankreich (Okt. 2026)Umweltausschuss (Nov. 2026)
Pkw 203055 %55 %, gemittelt über 2030 bis 2032Nicht geprüftIn der Mitteilung nicht genannt
Pkw 2035100 %90 %, Rest über Kraftstoff- und Stahlgutschriften ausgleichen90 %, ohne Ausgleich87,5 %, dazu 7,5 Punkte über EU-Stahl, zusammen 95 %
Transporter 203050 %40 %Nicht geprüft35 %
Transporter 2035100 %90 %Nicht geprüft80 %, Stahlgutschriften bis 7,5 Punkte
Bonus kleine E-Autos aus der EUKeinerBis 2034 zählt eines wie 1,3 AutosNicht geprüftBis 4,2 m zählt eines wie 1,4 Autos

Quellen: [1], [3], [4], [5], [8]

Stahl, E-Fuels und Superkredite: was hinter den Begriffen steckt

Stahlgutschriften belohnen Hersteller, die klimaarmen Stahl aus der EU verbauen. Bis Ende 2034 sollen sie laut Ausschuss höchstens 3 Prozent zum Erreichen der Ziele beitragen. E-Fuels und Biokraftstoffe spielen im Kommissionsvorschlag über eigene Gutschriften eine Rolle, begrenzt auf 3 Prozent. Der Ausschuss will zudem Autos, die ausschließlich mit zulässigen erneuerbaren oder kohlenstoffarmen Kraftstoffen fahren, als Null-Emissions-Fahrzeuge zählen.

Superkredite machen bestimmte E-Autos in der Rechnung des Herstellers mehr wert. Ein kleines E-Auto aus der EU bis 4,2 Meter würde laut Ausschuss wie 1,4 Autos zählen, ein besonders effizientes aus der EU wie 1,2. Bei Sozialleasing-Modellen käme jeweils 0,1 dazu. Das könnte Herstellern einen Anreiz für kleine, in der EU gebaute E-Autos geben (eigene Einordnung). Dass sie dadurch günstiger werden, folgt daraus nicht.

Quellen: [1], [3]

Der Weg zum Gesetz: Es kann sich noch viel ändern

Zuvor hatten am 22. Oktober der Industrieausschuss (49 Ja, 27 Nein, 5 Enthaltungen) und der Verkehrsausschuss (27 Ja, 18 Nein, 1 Enthaltung) abgestimmt; die Ergebnisse berichtet electrive. Im Plenum reicht laut electrive eine einfache Mehrheit. Die Regierungen müssen eine eigene Position finden, dafür ist eine qualifizierte Mehrheit nötig: mindestens 15 Staaten mit zusammen mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung.

Laut ZDF könnten sich die Mitgliedstaaten bis Dezember einigen, danach folgen die Verhandlungen zwischen Rat und Parlament. Einen Termin für das Ende des Verfahrens haben wir nicht gefunden. Die Zahlen in der Tabelle sind also Verhandlungsstände, kein Ergebnis.

Quellen: [2], [4], [6], [7]

Was das für dich beim Autokauf bedeutet

Unsere Einordnung: Für einen Kauf in diesem oder dem nächsten Jahr ändert die Abstimmung nichts Unmittelbares. Es geht um Neuwagen ab 2035 und um Rechengrößen der Hersteller. Preis, Förderung, Ladezugang und Kfz-Steuer entscheiden heute mehr. Rechne das in „E-Auto oder Verbrenner 2026: Was kostet mehr? Energie, Steuer, Wartung im Vergleich“ durch, und prüf in „Plug-in-Hybrid oder Elektroauto 2026: Was passt besser zu dir?“, ob ein Hybrid wirklich zu dir passt.

Auch der Markt wartet nicht auf Brüssel: Im Oktober waren laut KBA 37,0 Prozent aller neuen Pkw in Deutschland reine E-Autos, siehe „E-Auto-Neuzulassungen Oktober 2026: 94.086 Elektroautos, Anteil 37,0 Prozent“. Wie sich die Regeln auf Modellangebot und Restwerte auswirken, lässt sich aus den gelesenen Quellen nicht ablesen. Wir melden uns nach der Abstimmung im Plenum wieder.

Quellen: [1]

Quellen & weiterführende Informationen

  1. Europäisches Parlament: CO2 emissions, adjusted targets, more incentives for clean vehicles, Pressemitteilung IPR48613 (4. November 2026) ↗
  2. Europäisches Parlament: Verfahrensakte 2025/0420(COD), mit dem vorläufigen Plenartermin (gelesen 5. November 2026) ↗
  3. Wissenschaftlicher Dienst des EU-Parlaments: CO2 emission standards for cars and vans, Briefing zur Folgenabschätzung (PDF) ↗
  4. ZDFheute: Abkehr vom strikten Verbrenner-Aus, Berlin und Paris einig (16. Oktober 2026) ↗
  5. electrive: Was Frankreich und Deutschland bei den CO2-Zielen vorschlagen (16. Oktober 2026) ↗
  6. electrive: Auto-Paket, EU-Ausschüsse votieren für Lockerung der CO2-Regeln (23. Oktober 2026) ↗
  7. electrive: EU-Parlament, auch Umweltausschuss stimmt für Aufweichung der CO2-Regeln (5. November 2026) ↗
  8. Transport & Environment: Position paper on the revision of the EU car CO2 standards (3. Februar 2026) ↗

Dieser Bericht bildet die genannten Veröffentlichungen zum Publikationszeitpunkt ab; spätere Entwicklungen können den Stand verändern.

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